Liebe FDP in Bonn: Schaut auf diese Stadt Köln!
21. August 2009
Da staunen wir. Dem General-Anzeiger entnehmen wir den OB-Sieg des parteilosen Mannes aus der Beueler Gesamtschule. Der hat ja mal eine bittere Niederlage erleiden müssen. Damals, Mitte der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, da war er einer der heftigsten Befürworter einer weiteren Gesamtschule – ausgerechnet auf dem Hardtberg, dem Balkon von Bonn. Da, wo eine Lobhudelei nach der anderen für die dortigen Schulen eintrudelte: Gymnasium, Hauptschule, Realschule: Alle hatten etwas besonderes, wurden hofiert, vorgezeigt und gelobt.
Aber dann gab es eine Art Schulstreich: Rot/Grün wollte diese drei Schulen eindampfen, ohne Vorankündigung. Und Oberlehrerin Dieckmann, die die Stadt ja bald von sich selbst erlöst, machte mit – bis sie merkte, dass es ihr persönlich schaden könnte. Dann ruderte sie zurück. Wie so oft, wenn es nicht mehr opportun war oder sie fürchtete, aus zu rutschen.
Achja, was hat das alles mit der FPD zu tun, der sich selbst so nennenden Liberalen? Viel hat es damit zu tun, meinen wir von ZwoZwoAcht. Denn der geneigte FDP-OB-Quotenkandidat Hümmrich bleibt bei seiner Kandidatur. Sonst würde mit einiger Sicherheit der CDU-Mann Dürig OB. Die Linken von SPD über SED bis Grüne und Piraten und wem sonst noch müssen sich die Hände reiben.
Hümmrich hat nicht die kleinste Chance, OB in unserer Stadt zu werden. Irgendwie interessiert sich auch niemand wirklich für ihn – als Kandidat. Er hat zwar ein gutes Renommé, nicht nur bei bürgerlichen Leuten. Er ist kein Krawallmacher. Er ist seriös. Sagen die, die mit ihm zu tun haben. Er ist nicht link. Er ist ehrlich. Auch das sagen die Leute. Ist er das, ehrlich? Oder gar offen? Wir glauben: Nein, das ist er nicht.
Wenn er in seinem ausgesprochen miserabel gemachten YOU TUBE-Filmchen von „insofern“ und „auch“ und „schon“ und „Quantität, aber auch Qualität“ redet, interessiert das – jedenfalls in der virtuellen Welt – gerade mal 195 User – in zwei Monaten. Teilen wir 195 einfach mal durch sechszig Tage, dann haben wir den Durchschnitt des Interesses. Und trotzdem kandidiert er.
Vielleicht muss er ja. Und der Guido hat ihm gesagt: „Werner, da musst Du ran.“ Ein ungeschminkter Westerwelle sagt auch, dass man den Hümmrich wählen solle. Auch bei YOU TUBE. Warum sagen beide nicht: „Wir können ja nicht OB werden, also unterstützen wir den Dürig von der CDU!“ Das wäre mal ein ausgesprochen beeindruckender Beleg für die Wirtschafts- und Rechenkompetenz, von der die FDP doch so gerne redet.
So, wie SPD und Grüne das in Köln vormachen: Da unterstützen – ganz offen – die Grünen den SPD-OB-Kandidaten. Mit einem Umfrageergebnis, von denen andere noch träumen. Also FDP: Gebt Euch endlich einen liberalen Ruck hin zur bürgerlichen OB-Mehrheit für diese unsere Stadt!Das wäre glaubwürdig, auch im Hinblick auf Berlin.
Feiern bis die SPD kommt
6. Mai 2009
Sechzig Jahre. Weise? Naja.
Die Sozis haben sich ganz schön schwer getan mit dem Geburtstag der Be-Er-Deh. Schließlich hatten sie Jahrzehnte warten müssen, bis sie selbst mal dran waren in der Regierung der Bundes-Republik, die inzwischen nur noch als „Republik“ verbal grassiert. Das Föderale findet im Wort nicht mehr statt. Aber das ist ein anderes Thema, ein preußisches sozusagen.
Nun ist ein großes Fest in Bonn angekündigt – mit OB und allem, was Rang und Klang hat. Einen ganzen Tag gönnt sich die Bundesstadt, den Geburtstag zu feiern. Erst der CDU-Mann Eisel hatte sehr öffentlich auf das Jubiläum hinweisen müssen. Schon früh, und immer wieder legte er nach. Zuletzt am Maifeiertag, als er Angie als Kronzeugin nochmals bemühte. Dabei lohnt sich sowas auch für den städtischen Tourismus. Dass solche Feiern, auch natürlich das Zögern zu solchen Feiern, satirisches Potenzial birgt, zeigt das Pantheon. Wir sind gespannt, obs wirklich satrisich oder wieder einmal nur doof zugeht, und flach.
Achja: Der Grund für die Sozis zur Feierverweigerung – am Anfang war das Schweigen – lässt sich schlicht erläutern, und aus linker Republiksicht sogar verständlich: CDU-Bundeskanzler Adenauer, FDP-Bundespräsident Heuss undsoweiterundsoweiter. Bis dann endlich Brandt kam, dauerte es aus deren Sicht ne Ewigkeit. Dauerte allerdings ja auch nur dreizehn Jahre.
Sechzig Jahre Grundgesetz ist tatsächlich ne ausgesprochen feine Sache. Andere Länder beneiden uns um uns. Nur wir eher nicht. Weil wir nunmal Deutsche sind. ZwoZwoAcht freut sich aber auch. Wir finden das GG sehr cool. Das zeitgleiche Jubiläum Mauerfall ist weiteres Futter zum Nachdenken. Gut, dass sich diese Daten so zeitgleich abspielen. Wir Zeit, dass auch der Mauerfall und das, was da drüben vorher so alles gelaufen ist, wieder mal auf den Tisch kommt. Übrigens auch, dass der Stasi 2.0-Mann Schäuble damals für die Vernichtung der Stasiunterlagen war. Eigentlich jedenfalls.
Das PerPADEFS-Syndrom: Freischwimmer Hauschild
10. April 2009
Langsam aber sicher müssen wir uns wieder mal einmischen in die flüssigen Debatten der Bundes-, Beethoven-, Post-, Telekom- und was-wissen-wir-noch-Stadt. Dabei wollen wir uns einmal einem echten Konvertiten zuwenden. Der fällt immer gerne auf; im Grunde egal, mit was. Nach dem Prinzip: Hauptsache Hauschild.

Lost in dinner: Hauschild. FOTO: VOX
Wir haben dazu unseren Hauspsychologen konsultiert. Der erklärte uns, dass Hauschild vermutlich selbst beim Lesen dieses Artikels so etwas wie „spätinfantilistische Heiterkeitssprünge“ erfahren werde. Sein Verhalten entspräche „der Perzeption des weithin unbekannten „Permanenten Politischen Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms„. In der Fachwelt sei dieses Phänomen als PerPADEFS bekannt: Ein zwanghaftes Verhalten, ständig auf sich aufmerksam machen zu müssen, koste es politisch, was es wolle. Dabei gehe es „weder um Inhalte noch um realisierbare Vorschläge“. Politische Gegner bezeichnen manche der Vorschläge Hauschilds als „Unsinn“, was dem so Gescholtenen in die politische Depression treiben könne.
Bestätigt wird die Diagnose der Fachleute durch den Wechsel Hauschilds von der CDU zur FDP. Ein Schritt, der ausschließlich damit erklärt wurde, dass der Mann bei der CDU einfach nicht zum Mittelpunkt der Wahrnehmung zu gelangen vermochte. Ein Höhepunkt seines PerPADEFS-Aktivitäten war die Teilnahme am „Perfekten Dinner„, an dem er ebenso sang- und klanglos scheiterte. Jede Selbstkritik ist dem Mann fremd. Nachdem der Bonner Unternehmer Philipp-Yves mit „einem Hausfrauen-Gericht“ überragend gewonnen hatte, reagierte Hauschild säuerlich: Solch ein Gericht könne er sich nicht leisten - bei seinem Ruf. Der General Anzeiger hatte indes kein Erbarmen mit dem kulinarischen Versager: „Der Ruf scheint indes nach der Punktwertung eher auf die Größe von Gemüsewürfeln geschrumpft.“
